Veranstaltungen:

Fachseminar Geschäftsprozess-management

27. Juni 2019
in Karlsruhe.

„Herausforderungen der Zukunft antizipieren und thematisieren“

„Authentisches und kollegiales handeln“

„Kompetenter, zuverlässiger Partner für Mitarbeiter und Kunden“

„Vorschläge und Handlungsempfehlungen im Detail“

„Gute Vernetzung zwischen strategischen und operativen Themen“

„Spezialisten mit praxisorientierten Ansätzen“

Aktuelles

02. Mai 2018

Kanban – nur „Kärtchen kleben“ oder sogar „die Alternative zu Scrum“?

An Kanban scheiden sich die Geister: für die einen ist es „die Alternative zu Scrum“, für die anderen ist es nur „Kärtchen kleben auf einem Board – wie soll uns das weiterhelfen?“. Beide Einschätzungen treffen meines Erachtens nicht den Kern der Sache.

Betrachten wir die beiden „Konkurrenten“ näher:

  • Scrum beschreibt ein Prozessmodell für die Entwicklung eines neuen Produkts (das kann eine Smartphone-App, ein Versicherungsprodukt oder ein Fruchtjoghurt sein) durch ein interdisziplinär zusammengestelltes Team. Dieses Team besetzt dabei definierte Scrum-Rollen und führt definierte Scrum-Events innerhalb des Prozesses durch. Das Rollen- und Prozessmodell wird dabei vom Scrum-Guide vorgeschrieben.
  • Kanban hingegen beschreibt eine Methode zu Steuerung von Veränderungsmaßnahmen, die auf einem bestehenden Prozess und bestehenden Rollen aufsetzt und diese durch definierte Prinzipien und Praktiken evolutionär weiterentwickelt.

„Beginne mit dem, was Du jetzt tust“ lautet das erste Kanban-Prinzip – sogleich gefolgt von „Vereinbare, evolutionäre Veränderung zu verfolgen“. In diesem Spannungsfeld stellt Kanban eine Reihe von erprobten Praktiken (z.B. Visualisierung auf dem Kanban-Board bei gleichzeitiger Begrenzung der sich im System befindlichen Aufgaben) zur Verfügung. Meist ergibt sich bereits aus der Visualisierung nach kurzer Zeit ein Feedback über die „Knackpunkte“ im abgebildeten Prozess/Service. Im Gegensatz zu Scrum definieren die Kanban-Praktiken jedoch keinen strikten Rollen- und Prozessrahmen.

Kanban nutzt dabei Erkenntnisse aus der Engpasstheorie und fokussiert daher vor allem auf einen geschmeidigen, gleichmäßigen und messbaren Bearbeitungsfluss innerhalb der Wertschöpfungskette. Ein Kanban-System ist weiterhin nie „fertig“ sondern befindet sich in einem Zustand permanenter Weiterentwicklung und Verbesserung. Hier unterscheidet sich ein Kanban-System auch von der „klassischen Prozessoptimierung“, die nach Analyse und Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen häufig als „abgeschlossen“ betrachtet wird.

Somit kann Kanban ein alternativer oder ergänzender Weg zu Agilität in Unternehmen sein, ohne dabei zu Prozessmodellen wie Scrum in Konkurrenz zu stehen. Kanban eignet sich als Change-Managementhode aus meiner Erfahrung vor allem für Optimierungen von

  • Prozessen/Services, die nicht den Charakter einer Produktneuentwicklung haben, sondern eher laufender oder periodisch wiederkehrender Natur sind, z.B. Wartung von Infrastruktur
  • Prozessen/Services, die ungeplant abgerufen werden, z.B. Problem-Management bei produktiven Systemen
  • Organisationen, die eine ad hoc Implementierung komplett neuer Rollen und Prozesse (wie von Scrum gefordert) in ihrer Querwirkung im aktuellen Kontext als kontraproduktiv oder zu riskant ansehen.

Der Weg zur erfolgreichen Agilität ist für jedes Versicherungsunternehmen so individuell wie das Unternehmen selbst. Unser Ansprechpartner Leonid Korliakov diskutiert mit Ihnen gerne über mögliche Ansätze.